Lyrimage4Leaders?

Das Thema Management und Leadership beschäftigt mich seit mehr als 20 Jahren. Zuerst als Führungskraft, später auch als Coach und momentan als Organisationsberater. Wobei ich gern zwischen Management und Führung unterscheide. Management ist in meinem Verständnis „das Handwerk der Zieldefinition, Planung, Steuerung, Umsetzung und damit verbunden unter anderem auch der Orchestrierung von Menschen“. Führung hingegen ist letztlich „die Kunst des Umgangs mit der Motivation von Menschen“. Wir brauchen in Unternehmen beides. Über die Jahre hat sich mein Interesse allerdings von den Prozessen in Unternehmen über das Management von Menschen hin zur Führung von Menschen entwickelt. Verbunden mit der Frage, wie Motivation in Unternehmen erkannt und eingesetzt werden kann. Und ich spreche an dieser Stelle bewusst nicht darüber, wie man Motivation „schafft“, denn Motivation lässt sich nicht oder nur sehr kurzfristig „produzieren“. Was dabei entsteht ist eine „Scheinmotivation“ die nicht von Dauer ist. Die Kunst ist vielmehr Motivation zu entdecken, sie gegebenenfalls auch zu wecken und sie für die „richtigen“ Ziele einzusetzen. Das ist einer der Kernaspekte von Führung.

Wenn eine Führungskraft herausfindet welche Motivation ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „antreibt“ und wenn diese Führungskraft in der Lage ist, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Platz in der Organisation einzuräumen, an dem sie ihrer Motivation leben können, entsteht eine ganz andere, viel mächtigere Dynamik in dieser Organisation als wir es im Management mit Stellen-, Rollenbeschreibungen und -besetzungen je schaffen können.

Natürlich ist die Fokussierung auf das Thema Motivation leicht verkürzt. Führung beinhaltet noch viele andere wichtige Aspekte, wie zum Beispiel die Frage auf welchem Fundament der Umgang mit Motivation ruht. Also welche Werte unserem Handeln zugrunde legen. Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Was aber hat Kunst damit zu tun? Während der Fotograf nach dem Motiv sucht, sucht die Führungskraft nach der Motivation ihrer Mitarbeiter. Motiv und Motivation tragen beide das Lateinische „motus“ = „Bewegung/Antrieb“ in sich. Und so suchen beide nach dem, was Bewegung und Antrieb verleiht. Im Fall der Fotografie das Motiv dass den Fotografen tätig werden lässt. Im Fall von Unternehmen die Motivation, die die Mitarbeiter in Bewegung setzt und antreibt. Beide Prozesse, der der Fotografie und der der Führung haben mit Achtsamkeit und Aufmerksamkeit zu tun. Die Umwelt wahrzunehmen und sie so zu orchestrieren und zu gestalten, dass ein Kunstwerk daraus entsteht. Sei es nur eine Fotografie oder ein ganzes Unternehmen. „Fotografieren lernen heißt sehen lernen“ soll der Fotograf Andreas Feiniger einmal gesagt haben. Ich würde diesen Satz gern ein wenig abwandeln: „Fotografieren lernen heißt Achtsamer werden“ und das mag jeder Führungskraft eine Hilfe sein.

Ein Jahr Pause

Ende 2022 beschloss ich bei Lyrimage ein „Pausenjahr“ einzulegen. Ein Jahr der „schöpferischen Auszeit“, dass ich nutzen wollte, um herauszufinden, ob – und falls ja – wie es mit Lyrimage weiter gehen könnte. Aktivitäten wurden auf ein Minimum reduziert, der Fokus lag auf dem hören, ob es „da draußen“ oder auch „da drinnen“ neue Ideen gäbe, die man umsetzen könnte.

In diesen 12 Monaten wurde mir klar, dass es bei Lyrimage nicht um ein Projekt geht. Es ist meine Art mich mit dieser Welt zu beschäftigen. Und es ist mein Angebot an andere über das, was ich glaube über diese Welt heraus gefunden zu haben, in den Dialog zu kommen. Und so freue ich mich darauf, über Lyrimage auch in Zukunft neue interessante Menschen kennen zu lernen.

Und auch zwei Ideen wurden in den letzten 12 Monaten geboren. Die eine ist eine neue Ausstellungsserie mit dem Titel „Von Innen nach Außen – Kunst als Chance zum Dialog und zur Verständigung“. Eine Einladung an die Besucher und Veranstalter das Angebot von Lyrimage zu nutzen, um auch untereinander ins Gespräch zu kommen. Um die eigen Weltsicht im Dialog mit anderen zu Teilen und dadurch einen Beitrag zu gegenseitigem Verständnis zu schaffen. Denn mit jedem Gedanken, den wir mit anderen Teilen, schenken wir unserem Gegenüber eine neue Welt.

Die zweite Idee war Lyrimage4Business. Ein Workshopangebot für Führungskräfte um Mitarbeitermotivation besser entdecken und nutzen zu können. Dazu aber im nächsten Post mehr. Während die Ausstellungsserie gerade an Gestalt gewinnt, wird die Workshopidee noch ein wenig warten müssen. Manches benötigt eben Zeit und Ruhe, um zu wachsen.

Vorbereitungen für die Nacht der offenen Türen

Am Samstag, den 15.07.2023 ist es seit langem wieder so weit und die Nacht der offenen Türen findet statt. Zeit die Ausstellung vorzubereiten. Begleitend zur Ausstellung wäre ein Ausstellungskatalog ganz schön, bei dem ein wenig „tiefer“ in die Bilder und den Gedanken dazu geschaut werden kann. Mal sehen, ob die Zeit reicht, einen virtuellen Ausstellungskatalog entstehen zu lassen. Aber wenn man nicht damit anfängt, wird man es nicht herausfinden… los geht´s :)…

Ausstellungskatalog zur Fotoausstellung im Rahmen der Nacht der offenen Türen.

Ein Bild kann dem Verstand die Tür zur Seele öffnen und uns so einen tieferen Einblick verschaffen in das, was uns bewegt.

Liebe Besucherin und lieber Besucher,

schön dass Du hier bist. Lass Dich von den Fotografien und den kurzen Texten dazu einladen, über Gott und die Welt nachzudenken. Über das Potential, das der Menschheit innewohnt. Den Zerbruch den wir, fremd- oder selbstverschuldet, immer wieder durchleiden. Den Umgang mit den Sorgen vor einem Neubeginn. Und der Frage wo wir Hoffnung und Zuversicht gewinnen können um, bei allen Unsicherheiten, trotzdem die vielleicht längst notwendigen Veränderungen zu wagen.

Dieser Ausstellungskatalog erzählt Dir noch etwas mehr zu den Gedanken „hinter der Ausstellung“ und den einzelnen Bildern.

Wir wünschen Dir bereichernde Momente!

Wenn uns das alte ermüdet, befreit es uns dazu, von neuem zu Träumen.

Das Bild entstand in Sardinien. Ein alter Leuchtturm am Capo Testa an dem sich eine Wanderin im Schatten in der Mittagshitze zwischen all den Kargen Felsen ausruhte.

Viele von uns sind sehr leidensfähig. Wenn der Alltag sie mit seiner Gleichförmigkeit ermüdet und niederdrückt halten es manche über Jahre aus, diesem Gefühl des „ich bin hier irgendwie nicht mehr richtig am Platz“ zu widerstehen. Sich auf die Suche nach neuem zu machen würde zweierlei bedeuten: Den sicheren, oft auch ruhigen und beinahe bequemen Platz zu verlassen und die Ungewissheit, wie es am neuen Ziel sein wird. Und so schleppen sie von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr an der Unzufriedenheit über die täglichen Routinen mit der latenten Sehnsucht das Leben doch noch einmal neu zu entdecken.

Sie verstehen nicht, dass diese Unzufriedenheit nicht nur ihr Handicap, sondern auch ihre Chance ist. Und wenn eine Veränderung im Moment noch nicht möglich erscheint, ist es doch möglich damit zu beginnen von ihr zu träumen. Vieles wurde „erträumt“ bevor es „erreicht“ wurde. Wer der alten Welt müde ist tut gut daran damit zu beginnen von einer neuen zu träumen. Der erste Schritt beginnt immer mit einem Gedanken.

Brich sie auf, die eingefahrenen Gleise. Lass die Gewissheit des Lebens hinter Dir. Gänzlich neues lässt sich nicht auf Schienen entdecken. Du brauchst den Mut zu Fuß zu gehen. Dorthin, wo noch keiner war. Was Du finden wirst, wird Dich retten. Und sei es nur vor dem Gedanken, nie frei gewesen zu sein.

Diese alten Schienen in einem schwedischen Hafen taugten nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck. Jemand hatte sie herausgerissen, um Raum für Neues zu schaffen.

Es gibt Menschen, die funktionieren ihr Leben lang wie Lokomotiven. Sie folgen den gesellschaftlichen Konventionen mit unglaublicher Motivation, Treue und Pflichtbewusstsein. Und finden darin ihre Erfüllung. Manche bis an ihr Lebensende. Ist das schlimm? Wenn es Ihnen und der Welt damit gut geht – nein.

Manche erahnen, dass es neben den Gleisen vielleicht noch eine Welt zu entdecken gäbe, die sie ab und an kurz aufblitzen sehen, wenn sie aus dem Alltagstrott aufschauen und wahrnehmen, dass es da „noch was“ gibt. Aber der Zug fährt weiter und sie mit. Ist das schlimm? Wenn es Ihnen und der Welt damit gut geht – nein.

Schlimm wird es erst, wenn eine oder einer gern einmal aussteigen und die Landschaft genießen würde. Wenn sie oder er gern mit allen Sinnen sehen, riechen, schmecken und fühlen würde, wie diese andere Welt ist. Dafür ist keine Haltestelle eingeplant. Und doch hält der Zug manchmal mitten auf der Strecke unvermittelt kurz an. Das wäre die Gelegenheit auszusteigen und das Leben auf eine ganz neue Art zu entdecken. Natürlich mit dem Risiko nicht zu wissen, wo der nächste Bahnhof kommt und wann der nächste Zug dort fährt. Aber mit der Chance eine ganz andere Welt, die vielleicht nach ganz anderen Werten und Regeln funktioniert zu entdecken. Ob die besser sein würde als die alte? Man kann es nur vermuten. Aber was ist die Alternative? Im Zug zu bleiben und sich sein Leben lang zu fragen, welche Welt man verpasst hat? Wäre das schlimm? Es wäre zumindest schade.

Denken wir noch ein wenig weiter. Nehmen wir an wir würden aus aus dem bequemen Schatten unserer Alltäglichkeit aufmachen und die zuverlässigen Gleisen unseres Alltags verlassen wollen. Wie entsteht Neues?

Visionen entstehen nicht aus dem detaillierten Wissen des Möglichen, sondern aus der Missachtung des Machbaren.

Die Golden Gate Bridge ist für mich nur ein Sinnbild dafür, dass Träume auch wahr werden können. 1872 entstanden die ersten Pläne. Aber die Realisierung galt 49 Jahre lang als technisch unmöglich und nicht finanzierbar. 1921 dann legte Joseph B. Strauß seine Pläne für diese Brücke vor. 16 Jahre später, am 27. Mai 1937, fuhren die ersten Autos über die damals längste Hängebrücke der Welt. 65 Jahre nach den ersten Plänen der Union Bridge Company.

Es gibt viele Beispiele für „Unmögliches“ das mit genügend Ausdauer und Kreativität doch Wirklichkeit wurde. Und meist waren die ersten Gedanken dazu fern von jeglicher Machbarkeit. Dann ist Geduld gefragt. Es braucht eben nicht nur den richtigen Traum sondern auch die richtige Zeit, um ihn zu realisieren. Denn Träume stehen eben nicht für sich alleine, sondern im Kontext der Welt um sie herum. Und wenn die richtigen Faktoren und Menschen zusammenkommen ist die Menschheit zu großartigem Fähig.

Das führt mich direkt zum nächsten Bild.

Sanftheit, die Berge formt, wenn jeder sich beteiligt. Die Schönheit schafft und Staunen lehrt, die Leben weckt und Ehrfurcht mehrt. Sie kann die Welt verändern. Nur eines hat sie nie gelernt: Sie hat es niemals eilig.

Der Langfoss in Norwegen mit seinen 612 Metern Fallhöhe nicht nur auf Platz 21 der höchsten Wasserfälle der Erde, sondern von CNN auch zu einem der schönsten gekürt worden. Eine Felswand aus Wasser geformt über tausende von Jahren durch ein Element das einem durch die Finger rinnt wenn an versucht es fest zu halten. Und doch kann es so gewaltig vollbringen, wenn es sich zusammenschließt. Ein schönes Bilde für die Möglichkeiten die auch uns in die Hände gegeben sind, wenn wir es nur schaffen nicht gegeneinander in verschiedene Richtungen sondern miteinander für die gleichen Ziele zu streiten. Als wollte die Natur uns daran erinnern, dass auch wir nicht zum Selbstzweck auf dieser Erde sind, sondern letztlich einen Sinn haben – die Schöpfung nicht nur zu bebauen, sondern eben auch zu bewahren.

Kommen wir vom Wasser zum Eis. Gleichsam von der Anpassungsfähigkeit zur Erstarrung. Wir lernen zu langsam und handeln zu träge. Das womit wir vermeintlich erfolgreich geworden sind bedroht zunehmend die Existenz unseres ganzen Öko-Systems. Wir tanzen der Schöpfung auf der Nase herum wie die Bergsteiger auf dem Gletscher im folgenden Bild. Und wir vergessen dabei, dass die Bühne auf der wir uns bewegen im wahrsten Sinne des Wortes schmilzt. Wir werden nicht die letzten sein , die diese Bühne verlassen. Das Statista Research schätze 2016, dass durch den Klimawandel bis 2060 Schäden in Höhe 44.000.000.000.000 USD (44 Billionen oder 44 Tausend Milliarden) entstehen würden. Was man bei dieser abstrakten Zahl schnell vergisst ist, dass es nicht „nur“ um Vermögensschäden geht, sondern auch um das vielfache Leid von Menschen. Diese Abschätzung geschah wohlgemerkt 2016. Und seither haben wir gelernt, dass manche Effekte schneller ablaufen, als wir ursprünglich dachten.

Gletscher und Zwerge. Des Menschen Macht, so unermesslich sie auch sei, führt in dunkelstes Vergessen. Denn nichts was nicht aus Demut wird getan und alles was nur von Gier getrieben, bestiehlt am Ende nur uns selbst. Und alles Leben, es sei schuldig oder nicht, zerbricht in solcher eitlen Welt. Drum lerne Mensch mit Maß zu leben, zu verzichten und zu streben nach Frieden mit der Schöpfung um Dich her. Denn Du bist Gast und niemals Herr.

So wird aus unseren größten Erfolgen bisweilen auch unser größtes Scheitern.

Stolze Träume sind gestorben. Seelenscherben liegen rings umher. Demut, Dankbarkeit und Zuversicht soll daraus werden. Denn Tod heißt immer auch neues Leben. Und wo die Vergangenheit uns unsere Perspektive nahm, soll uns die Zukunft eine neue geben.

In Deutschland ist eines der jüngeren Beispiele der Niedergang des Ruhrgebiets. Einer der stummen Zeitzeugen ist der Landschaftspark Duisburg-Nord, dessen letzter Hochofen 1985 stillgelegt wurde. Läuft man durch die alten Industrieruinen kann man sich gut das geschäftige Treiben vorstellen, das dort herrschte als noch „alles in Ordnung“ war. Dann kam der Niedergang dieser Industrie und die Frage was aus dieser Region und ihren Menschen werden sollte. Für viele der damaligen Arbeiter begann mit der Arbeitslosigkeit eine unsichere Zukunft. Und plötzlich wird aus den abstrakten wirtschaftlichen und politischen Problemen mein ganz persönliches. Vielleicht sogar eines, für das es – auch nach längerer Bemühung – keine Lösung zu geben scheint. Mein eigener „kleiner“ Weltuntergang. Die Sorgen über diese heraufziehende und unausweichliche Veränderung werden erdrückend und der Wind der Veränderung entwickelt sich zum Sturm.

So wie auf dieser kleinen norwegischen Insel . Der einzige noch lebend Baum auf diesem kargen kleinen Eiland faszinierte mich. In der Stille kurz vor dem Sturm strahlte er eine gewisse Geduld und Gelassenheit aus. Er hat wohl schon so manchem sturm getrotzt.

Sorgst Du Dich vor dem, was kommen mag? Wenn Gott Dich in stürmische Zeiten führt, sorgt er auch für festes Land unter Deinen Füßen. Der Wind mag an Dir zerren und der Regen Dich durchnässen. Aber untergehen wirst Du nicht. Und wenn der Sturm dann neuer Klarheit weicht, wird Dir dieser Feste Grund den nötigen Weitblick geben, um Deinen Weg fortzusetzen. Denn Gott möchte Dich nicht in die Tiefe reißen, sondern in die Weite führen.

Aber leider dauern manche Stürme sehr lange. Solange, dass das Warten unerträglich und die Hoffnung aufgebraucht wird. Selbst Menschen die an Gott glauben können daran verzweifeln. Wenn es ihn gibt, warum tut er dann nichts?

In einer solchen Situation entstand der Text zu dem folgenden Bild, das im Kloster Heilig Kreuztal aufgenommen wurde.

Klopft an, so wird Euch aufgetan. Doch der Himmel scheint verschlossen. Die Türen zu, der Hausherr weg. Klopft an, so wird Euch aufgetan. Ich könnte schreien anstatt zu klopfen, ich könnte treten anstatt zu pochen. Doch der Himmel scheint verschlossen. Die Türen zu. Der Hausherr scheint aus in dieser Nacht. Klopft an, so wird Euch aufgetan. Ich klopfe, schreie, hämmere, doch Du bleibst stumm. Dann gebe ich auf. Mit dem Rücken an die Tür gelehnt sinke ich zu Boden, starre sinnentleert in die Ferne und sehe – eine Tür. Deine Tür. Und mir wird bewusst, ich habe an meine Tür geklopft. An meine Möglichkeiten geglaubt. Auf meine Kraft vertraut. Und während ich vor meiner verschlossenen Tür resignierte, war Deine Tür schon lange weit geöffnet.

Ich kann selbst aus 53 Jahren Erfahrung berichten, dass es nicht wenige solcher Dialoge in meinem Leben gab. Ich kann aber auch berichten, das mich Gott am Ende niemals vor meiner Tür stehen lies. Im Psalm 103 heißt es „… und vergiss nicht, wie viel Gutes er Dir getan hat“. Sich an das Gute zu erinnern hat mir oft geholfen, wenn ich am Ende der Möglichkeiten war. Denn das Gute das ich in meinem Leben empfangen durfte, ließ auch immer wieder auf sich warten. Aber am Ende war es eben – gut. Vielleicht ganz anders, als ich es erwartet und erhofft hatte – aber gut. Gott ist eben ein kreativer Gott. Seine Wege lassen uns nicht selten staunen. Er handelt bisweilen anders, als wir es uns wünschen und als wir es erwarten. Ich würde sagen… er macht es besser, weil er den größeren Weitblick hat.

Das Leben hat tausend Ideen Altem neuen Sinn zu geben. Die Kunst ist, es geschehen zu lassen.

So wie bei dieser Alten Wurzel, die mir in Kanada begegnet ist. Sie wurde für mich zu einer Analogie der „Tausend Ideen“ Gottes, mit denen er unser Leben zu gestalten vermag. Oder Glauben Sie, diese Wurzel hätte es jemals für möglich gehalten, dass eines Tages sie der Ort sein wird, auf dem sich Vögel ausruhen und nicht die Zweige hoch oben in der Krone des Baumes? Selbst im Tod fand Sie noch einen neuen Sinn.

Wieviel mehr mögen wir – die wir noch leben dürfen – auf die Verwandlung der alten in eine neue Welt hoffen. Und das mag nicht nur unser eigenes kleines Universum betreffen. Dort wo wir aus Fehlern lernen und über Grenzen hinaus denken begegnet es uns wieder. Dieses atemberaubende Potential der Menschheit, dass schon zu Beginn der Ausstellung in Erscheinung getreten ist. Nur dieses mal geläutert und reifer, weil es gelernt hat mehr in Zusammenhängen zu denken. Dann wird wirklich großes Möglich.

Denk darüber hinaus! Von jeher haben Grenzen Menschen Träume geschenkt. Manche davon so mächtig, dass sie die Welt verändert haben.

Denken wir doch einmal darüber hinaus. Was wäre wenn wir die heute oft gängige Definition von Erfolg und Reichtum neu definieren würden…

Wie definiert sich Erfolg, wenn wir weiter denken als eine Generation? Eine Alternative zu Geld oder Macht wären die leuchtenden Augen der Kinder, deren Eltern ihnen das wohl knappste Gut unserer Gesellschaft geschenkt haben: Zeit.

Als dieser Gedanke entstand gab es noch keine breiten Diskussionen über „Work-Life-Balance“. Es war die Zeit, in der Erfolg untrennbar mit der Karriereleiter und dem daraus resultierenden Ansehen und Verdienst verbunden war. Ich beendete dieses Leben 2012, als meine kleine „Karriere“ immer vielversprechender und mir meine Familie immer fremder wurde. Ich habe meine Entscheidung kein einziges mal Bereut. Und jedes mal. wenn ich das Bild dieser Aussichtsplattform in Friedrichshafen anschaue, freue ich mich über die Zeit, in der ich Anteil haben durfte am Erwachsenwerden meiner Kinder.

Was bedeutet denn überhaupt der Wohlstand nach dem „wir alle“ streben? Sich jeden Wunsch jeder Zeit erfüllen zu können? Aber auch Wohlstand hat ein Preisschild, wenn man nicht gerade zu den wenigen Menschen zählt, deren Genialität ihr Vermögen mehrt. Ich habe immer wieder Menschen getroffen, die Getriebene Ihres eigenen Erfolgs waren. Gleichgültig ob sie reich an Geld, reich an Anerkennung oder reich an anderen Dingen sein wollten. Und ich habe mich immer wieder gefragt, wo diese Menschen zur Ruhe finden. Viele von ihnen würden vermutlich sagen, dass sie gar keiner Ruhe bedürfen. Und dennoch haben die Menschen, bei denen ich den Eindruck gewann, dass sie zur Ruhe gefunden haben wesentlich zufriedener auf mich gewirkt.

Als ich in Sardinen auf einem morgendlichen Fotoausflug auf diese alte Käserei traf, konnte ich mir lebhaft vorstellen, wie die Menschen, die dort ihre Milchkannen zum trocknen aufgehangen haben auch tagsüber Zeit hatten mit ihren Kunden und Gästen – die vermutlich teilweise auch zu ihren Freunden zählten – zu reden. Vielleicht war der Inhaber so ein Mensch, der zur Ruhe gefunden hat. Hätte ich ihn gefragt, was ich tun müsste um reich zu werden hätte er vielleicht geantwortet…

Wenn Du reich werden willst, dann hör‘ auf, reich werden zu wollen.

Eine Welt in der man nicht nach Karriere und Reichtum strebt. Wird sich eine solche Welt überhaupt weiterentwickeln? Oder ist es der Anfang der Stagnation oder gar des Rückschritts. Ich glaube, dass sich auch eine solche Welt weiterentwickeln würde. Nur der Antrieb zur Weiterentwicklung wäre ein anderer. Es wäre nicht mehr die Gier, sondern der Wunsch nach einer – auf andere Weise – besseren Zukunft. Diese Welt wäre angetrieben von den Begabungen und der Kreativität der Menschen und ihrer Lust daran, Neues zu erschaffen. Denn wir Menschen sind nicht nur von Natur aus gierig. Wir sind auch von Natur aus kreativ. In welche Richtung sich unsere Welt entwickeln wird hängt davon ab, was jeder von uns als Wertvoll erachtet.

Auch wenn diese Hütte und der folgende Weg in Kroatien an die 1000 Kilometer auseinander liegen verbindet sie doch eine Ähnliche Frage: Was ist uns wertvoll?

Ein Kaufmann traf auf seinem Weg einen Mönch. Die beiden waren ein Weilchen schweigend nebeneinander gegangen, als der Kaufmann zu erzählen begann, wie dankbar er Gott sei, dass sein Leben so aufregend wäre. Ständig würde er nach Neuem suchen und so sein Wissen und seinen Reichtum vergrößern. Der Mönch hörte aufmerksam zu, bis der Kaufmann ihn fragte, ob das gleichförmige Leben eines Mönches nicht allzu langweilig sei. Darauf erwiderte der Mönch: „Was müsstest Du Neues finden, damit Du nie wieder nach Neuem suchen wölltest?“ Der Kaufmann dachte nach: „Ich weiß es nicht“, antwortete er. „Dann tust Du gut daran, weiter zu suchen. Denn wenn Du es findest, wird es Dir Frieden schenken“.

Weihnachts- & Neujahrswünsche 2021/22

In unserer auf Effizienz und Schnelligkeit getrimmten Welt, verschenkt keiner gern Zeit. Zeit verschenken wird gleichgesetzt mit Zeit verschwenden. Gott sieht das anders. In der Jahreslosung 2022 heißt es:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Jesus Christus in Johannes 6,37

Gott reserviert sich 365 Tage im neuen Jahr nur, um von Dir gestört zu werden. Er wirft Dir seine Zeit förmlich hinterher. Was für ein Geschenk!

Vielleicht sollten wir versuchen, uns an Ihm ein Beispiel zu nehmen. Denn wenn wir gestört werden, passiert das nicht, ohne dass Gott es zulässt. Vielleicht gelingt es uns ja auch ein wenig verschwenderischer mit unserer Zeit umzugehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass wir durch diesen „Zeitverlust“ einen ordentlichen „Freudengewinn“ einfahren.

Mit diesem Gedanken entstand auch das Bild für das Jahresabschluss-Gemeindeblatt in Flacht.

#zeitverschenken

Zeit für eine neue Ausstellung

Die Bilder im Gästehaus Victoria hängen, die Inseltagebücher sind geliefert und der Fotokurs im April ist geplant. Langsam wird es Zeit sich etwas Neuem zuzuwenden.

In 2022 soll es einen neuen „Weg der Stille“ geben. Eine Outdoor-Ausstellung die vom 26.05.2022 – 24.06.2022 im Lebenshaus Osterfeld unter dem Titel

„Hoffnung schenkt leben“ das erste Mal gezeigt wird. Geplant sind ca. 16 neue Bilder im bewährten Format (Acryglas Fotografien mit Aluminiumtexttafeln).

Hier schon einmal der erste Entwurf für den Titel…

Mehr folgt bald.

Gedanken zum Vater unser

Vor vielen Jahren habe ich eine Talkshow gesehen, in der es eigentlich um Wirtschaftliche Themen ging. Einer der mittelständischen Geschäftsführer wurde gefragt, was Ihm als Unternehmer ein gutes Fundament gibt. Überraschenderweise antwortete er: „Das Vater unser“. Sinngemäß sagte er: „Da ist alles drin, was unser Leben betrifft“.

Mir kam diese Aussage viele Jahre immer wieder in den Sinn. Kurz nach Beginn der Coronapandemie, wollte ich ein paar Gedanken dazu niederschreiben, aber es hat dann über ein Jahr gedauert, bis ich endlich dazu kam und auch das dabei heraus kam, was ich wollte.

Passenderweise genau zu der Zeit, zu der eine Gebetswoche in unserer Gemeinde stattfand, bei der es um das Vater unser gehen sollte. Manchmal scheint uns Gott auch deshalb „einzubremsen“, damit wir nicht zu unpassender Zeit unsere Ideen umsetzen.

Das „Endprodukt“ ist ein A5-Leporello.

Aufgrund des Druckformats befindet sich die erste Seite des Leporellos ganz rechts auf der ersten PDF Seite und Seite 2 auf der ganz linken Seite der zweiten Seite…. also nicht durcheinanderkommen ;).

Ein Tagebuch für die Gäste

Nachdem die Bilder für die Zimmer im Gästehaus Victoria auf Borkum hängen, gehen wir den nächsten Schritt bei der Umsetzung des Bildkonzepts für das Gästehaus Victoria. Dominik Klee, der dortige Leiter, möchte den Gästen des Hauses ein Tagebuch auf´s Zimmer legen.

In diesem Tagebuch können die Gäste, neben Tipps zu sehenswerten Orten der Insel, auch Impulse erhalten, die sie während ihrer Zeit auf der Insel zum Weiterdenken einladen sollen. Ein solches Tagebuch bietet darüber hinaus auch die Gelegenheit seine eigenen Gedanken währende des Aufenthalts auf der Insel festzuhalten.

So kann die Zeit auf der Insel auch mit zurück in den Alltag genommen werden und dort nachklingen.

Momentan arbeiten wir am Entwurf.

Hier ein kleiner erster Einblick…

Bilder für die Insel

Eine „Ausstellung“ über mehrere Jahre. Ein ganz besonderes Projekt.

Im August 2020 erreichte mich eine Anfrage des Betriebsleiters der CVJM Gästehaus Victoria GmbH auf der Insel Borkum. Dominik Klee kam im Rahmen der Renovierung seines Hauses mit dem Wunsch auf mich zu, die neu zu gestaltenden Zimmer mit Bildern und Texten von Lyrimage auszustatten.

Es begann ein gemeinsamer, bereichernder und im positiven Sinne auch spannender Weg, der bis heute andauert. Während bei „klassischen Ausstellungen“ Bild und Text eine Einheit bilden, war die Herausforderung hier, dass nicht nur Text und Bild zusammenpassen sollten, sondern natürlich auch Bild und Zimmer. Dies erforderte das Aufbrechen alter Kombinationen und die Suche nach neuen.

Allerdings nicht wie ich es sonst gewohnt war im „stillen Kämmerchen“, sondern im Dialog und Austausch zwischen Dominik Klee und mir. Für mich der Beginn einer neuen Erfahrung und eines bereichernden Weges.

Die Erkenntnis, was ein anderer in den Bildern sieht und in diesem Zusammenhang welche anderen Bezugspunkte er zwischen Bildern und Texten herstellt, war für mich eine Horizonterweiterung der besonderen Art. Die so entstandenen Diskussionen eröffneten auch mir einen neuen Blick auf so manches „alte“ Bild und so manches „neue“ Detail. Einmal mehr hat sich für mich gezeigt, „wie Bilder dem Verstand die Tür zur Seele öffnen können“ und, im Austausch mit anderen, neue Perspektiven entstehen.

Am Ende standen 14 Motive in unterschiedlichen Auflagen verteilt auf die 82 Zimmer des Haupthauses. Jeweils im Format 80 cm x 120 cm. Gedruckt auf langlebige Aluminiumtafeln. Und noch ein paar Ideen darüber hinaus, die wir den Gästen des Hauses gern in Zukunft anbieten würden. Doch davon gegebenenfalls bei anderer Gelegenheit mehr.

Mein Dank gilt an dieser Stelle Herrn Klee und seinem Stellvertreter Ulrich Frick, die mit Ihrer Sicht der Dinge, die meine bereichert und die am Ende sogar den ein oder anderen Text beigetragen haben.

An dieser Stelle eine herzliche Einladung diese „Inselausstellung über mehrere Jahre“ gern einmal zu besuchen und mit einem Aufenthalt im Gästehaus Victoria zu verbinden.

Vergiss nicht zu leben!

Drei Bäume. Ein toter rechts, ein toter links und einer der noch lebt mitten drin. Als ob die Landschaft einen daran erinnern wollte, dass nach dem Anfang auch das Ende kommt. Das wir nur eine „Zwischenzeit“ haben, um hier auf dieser Erde zu leben.

Wenn der Alltag mir wieder einmal den Takt vorgeben wird, dann werde ich mich hoffentlich an diese Szene erinnern. An diesen kalten Novembermorgen, an dem das Gras gefroren und die Welt um mich noch menschenleer war.

An dem ich einfach nur in der Landschaft stand, um die Wolken und die aufgehende Sonne zu bewundern.

Mit was verbringst Du Deine Lebenszeit?

Weihnachts- & Neujahrswünsche 2020/21

Was war anders?

Liebe Leserinnen und Leser,

In diesem Jahr wird es, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, ein Thema geben, das in nahezu jedem Weihnachtsartikel vorkommt: Weihachten.

Und es ist gut, dass wir gegen Ende des Jahres ein Fest feiern, dass in seinen Ursprüngen so gar nichts mit dem zu tun hat, was wir in der westlichen Welt daraus gemacht haben. Weihnachten 1.0 kam mit einer Futterkrippe statt einer Designer-Wiege aus und wiederverwendbaren Windeln statt supersaugstarken Markenwegwerfprodukten. Auch die Follower von Weihnachten 1.0 waren überschaubar und vermutlich an zwei Händen abzuzählen.

Und trotzdem wurde aus diesem einfachsten Event ein Fest, das Milliarden von Menschen seit über 2000 Jahren feiern. Was war und ist also das Geheimnis dieses Weihnachtens 1.0? Ich glaube es sind vor allem zwei Dinge:

  1. Der Kern von Weihnachten fand abends statt, als die Menschen in Ihren Häusern weilten und Ruhe eingekehrt war. Erst in der Ruhe haben wir die Muse zur Reflexion, um unser Leben weiter zu entwickeln.
  2. An diesem Abend vor über 2000 Jahren entschloss sich einer, der eigentlich „das Sagen“ hat, denen zu dienen, denen er etwas zu sagen hat. Und diese Bereitschaft den eigenen Stand zum wohl anderer aufzugeben, begeistert und motiviert seither Millionen von Menschen.

Und nun kommt es doch noch, das Thema, das dieses Jahr vermutlich in jedem Weihnachtsbrief vorkommt. Corona. Corona wird uns dieses Jahr zu mehr Ruhe „zwingen“ als vielen von uns lieb ist. Aber vielleicht kann diese Ruhe auch eine Chance sein, unser Zusammen leben neu zu überdenken.

Vielleicht wird aus Spaltung Solidarität und aus Ausbeutung unserer Umwelt Fürsorge für das uns anvertraute. Nicht von heute auf morgen, aber irgendwann hat alles einen Beginn. Ich würde es uns allen wünschen. Auch wenn es viele für unwahrscheinlich halten.

Aber gerade deshalb sprechen wir ja vom „Weihnachtswunder“!

Ich hoffe es geht Euch gut und Ihr konntet und könnt die Herausforderungen, die Corona sicherlich auch für Euch bedeutet gut bewältigen. Euch allen auf jeden Fall ein gesegnetes Weihnachten sowie ein gesegnetes 2021!

Mit herzlichem Gruß

Markus Spingler