Geschichte zum Bild
Ich möchte Dir Pedro vorstellen. Pedro war ein spanischer Fischer, der sein Handwerk ganz hervorragend verstand. Immer wenn er auf das Meer hinausfuhr, kam er mit viel mehr Fischen zurück, als er für sich, seine Frau und seine beiden Kinder gebraucht hätte. So konnte er den Rest des Fangs verkaufen und sich einen gewissen Wohlstand aufbauen. Am meisten am Beruf des Fischers gefiel ihm das Unterwegssein mit einem Boot. Und so kam es, dass er sich über die Jahre immer mal wieder ein neues Fischerboot kaufte, ohne jedoch sein bisheriges, liebgewonnenes, altes zu verkaufen. Er gelangte in die komfortable Lage, jeden Morgen aufs Neue entscheiden zu dürfen, mit welchem Boot er denn heute auf Fischfang gehen würde.
Eines Morgens nun, es war im Spätsommer, ging er, wie jeden Tag, zum Hafen, stapfte ins Meer und überlegte, welches seiner Boote heute wohl angemessen wäre. Und als er so dastand, geschah etwas, was ihm bis zu diesem Tag noch nie passiert war. Er konnte sich nicht entscheiden. Er nannte zwischenzeitlich so viele Boote sein Eigen, dass er, ob der großen Auswahl, nicht im Stande war, eine Wahl zu treffen. Und so stand er da und dachte nach und stand da und dachte nach und stand da und dachte nach, bis es Abend wurde, die Sonne untergegangen war und der Mond das Meer in silbernes Licht tauchte. Zu spät, um zu fischen. Das war das erste Mal, dass der Fischer Pedro ohne einen einzigen Fisch zurückkehrte. Zu reich an Möglichkeiten, um sich zu entscheiden.
Natürlich ist diese Geschichte frei erfunden. Aber vielleicht ertappst Du Dich ja auch ab und an dabei, dass Du vor lauter Ehrgeiz, das Beste zu finden, das Gute verpasst.
Nun aber zur wahren Geschichte des Bildes…
Dieser Mann stand zwischen den Booten im „Hafen“ eine ganze Weile scheinbar unentschlossen im Wasser, während ich etwas wackelig auf der Mauer einer Burg herumbalancierte, um auf den Hafen herunter fotografieren zu können. In diesem Fall war die vermeintliche Unentschlossenheit des Mannes mein Glück. Wäre er schneller wieder von der Bildfläche verschwunden, wären die Boote heute allein auf der Aufnahme. Auch wenn dies mit Sicherheit nicht der Fall war, wirkte die Szenerie auf mich ein wenig, als ob ein Fischer, der mehrere Boote sein Eigen nannte, sich nicht entscheiden konnte, mit welchem Boot er heute hinausfahren sollte. So entstand auch der Text und die Geschichte zum Bild.
Wie oft können wir uns in der heutigen Zeit nicht zwischen den vielfältigen Optionen entscheiden, die uns unsere Welt bietet. Vielleicht, weil wir Sorge haben, uns falsch zu entscheiden? Oder weil wir auf jeden Fall die beste Entscheidung treffen wollen? Wir überlegen und wir warten. Und wir versäumen dabei, vom Denken auch ins Tun zu kommen. Dabei wurde uns Menschen ein so hohes Maß an Kreativität und Flexibilität in die Wiege gelegt, dass wir es oft vermögen, selbst falsch getroffene Entscheidungen noch in gute Ergebnisse zu verwandeln.
Der Schlüssel, um uns weiterzuentwickeln, liegt manchmal nicht in perfekten Entscheidungen, sondern in mutigen Entschlüssen.
Bild & Text

Stillstand ist bisweilen das Ergebnis zu vieler Optionen.
Sie lähmen unsere Entscheidungsfähigkeit und
rauben unsere Kreativität.
In solchen Situationen wäre Mangel eine Chance
und vielleicht sogar ein Segen.
Daten zum Bild
Bildnummer: Lyrimage_171029_Spanien_00089
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