2024_007 Häuser am Fjord unter Sternenhimmel

Die Geschichte zum Bild

Norwegen am 27. August 2023 um 0:39 Uhr. Auf einem Steg am Fjord bei Spiegelglatter See. Ab und an hörte man ein leichtes Plätschern ansonsten Stille. Das Sternenmeer über uns das staunen über diese wundervolle Natur in uns. Es gibt nicht viel zu sagen in so einer Nacht. Das schöne an der Fotografie bei Dunkelheit ist, dass es nicht schnell gehen muss, ja es gar nicht schnell gehen kann. Man drückt ab und wartet während die Kamera Ihre Arbeit macht. Nicht zu kurz, denn dann wird das Bild zu dunkel und nicht zu lang, denn dann werden die Sterne zu Leuchtspuren. Wie so oft, ist auch hier das richtige Maß gefragt. Und während man auf die Kamera wartet, hat man Zeit zu staunen.

Wie so oft kam auch hier der Text zum Bild erst viel später. Als ich nach Monaten in Gedanken zurückkehren durfte zu diesem wundervollen Ort. Es mag Zeiten geben, da sehnen wir uns danach Wunder zu erleben. Wir glauben, dass Wunder uns Gewissheit darüber schenken würden, dass es „da oben“ wirklich einen Gott gibt, der es gut mit uns meint. Wunder mögen dann unsere Hoffnung sein den Glauben in Wissen zu tauschen. Dabei sollte man zweierlei beachten:

1.) Gott hat schon viele Wunder gewirkt, aber die Gewissheit die daraus zu entstehen vermag ist ein flüchtiges Geschöpf. Wunder schaffen bedauerlicherweise in den wenigsten Fällen dauerhafte Gewissheit. Wir sollten nicht an Wunder glauben, sondern an Gott. Vielleicht ist das der Grund, warum unsere Bindung zu Gott nicht zwangsweise größer wird je mehr Wunder wir erleben.

2.) Viele Wunder bedürfen des Mangels um ihr Existenzrecht zu begründen. Wer also nach Wundern verlangt sollte damit rechnen, dass der Boden auf denen er diese erleben darf, ein Steiniger sein wird. Vielleicht sollten wir Gott nicht für Wunder danken, sondern dafür, dass er uns ihre Notwendigkeit erspart.

Und dennoch – wo anders als bei dem Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, können wir mehr auf Wunder hoffen. Der ganze Himmel ist voll davon.

Bild & Text

Die Stille der Nacht spannt sich über uns wie ein Zelt.
Sie gönnt uns Ruhe, schafft neue Kraft, um im Trubel der Welt zu bestehen.
Die Stille der Nacht so geheimnisvoll schön.
In jedem Stern flüstert sie sacht, dass es der Himmel ist,
der Räume schafft, damit Wunder entstehen.

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Bildnummer: Lyrimage_230827_Norwegen_00012-Verbessert-RR
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2024 003 Kind am Strand

Geschichte zum Bild

Unser Sohn stand in Dänemark am Meer. Ich weiß nicht, wie lange ich ihn beobachtete und wie lange er einfach so dastand und auf´s Meer hinaus sah. Als würde er träumen – von dem Land „dahinter“. Einer anderen, neuen Welt. Was er wirklich gedacht hat? Ich weiß es bis heute nicht.

Aber diese Szene war für mich ein Synonym für Sehnsucht auf der einen und Beschränkung auf der anderen Seite. Die meisten von uns können eben nicht über´s Wasser gehen. Aber einige von uns – die sich mit Grenzen nicht abfinden wollten – haben gelernt Boots zu bauen. Und irgendwann Schiffe. So fiel eine Grenze um die andere und wir entdeckten neue Länder und Kontinente.

Was wir in Bezug auf Technologie schaffen können, mag uns auch bei der Umwelt und beim Sozialen gelingen. Was wir brauchen um anzufangen ist nicht mehr als Sehnsucht, Zeit und Kreativität. Grenzen fallen zu allererst in unseren Köpfen.

Bild & Text

Denk darüber hinaus!
Von jeher haben Grenzen Menschen Träume geschenkt.
Manche von ihnen so mächtig, dass sie die Welt verändert haben.

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Bildnummer: Lyrimage_170901_Dänemark_00152
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2024 002 Zimmer mit Aussicht

Die Geschichte zum Bild

Ein Dank an Harald, unseren Norwegischen Vermieter, der es mir freundlicherweise erlaubt hat, diese Innenansicht seines Ferienhauses zu veröffentlichen. Harald hat sich zeitgenommen. Uns eine Mehrstündige Rundtour durch „sein Land“ geschenkt. Einfach so. Ohne, dass wir ihn darum gebeten hätten oder er etwas dafür verlangt hätte. Er hat uns wunderschöne Plätze gezeigt und bewiesen, dass sich Menschen nicht kennen müssen, um gute Erfahrungen miteinander zu machen. Selbst wenn sie ganz unterschiedlich „ticken“ – was wir mit Sicherheit tun. Ich denke gern an Harald zurück.

Als ich dieses Bild aufgenommen habe, gab es weder den Text noch das Ziel einen Text für dieses Bild zu schreiben. Der Text kam erst viel später, als ich mich mit neuen Ausstellungen beschäftigt habe und der Kerngedanke der neuen Ausstellungsserie feststand: „Von innen nach außen – Kunst als Chance für Dialog und Verständigung“. Ich suchte ich nach einem „Titelbild“ für die Ausstellung. Als mir das Zimmer mit Blick nach draußen wieder in die Hände fiel, und ich es eine Weile anschaute, wurde mir klar, dass für mich alles an diesem Bild auch zu den Gedanken passt, die ich mit der neuen Ausstellungsserie verbinde und auch transportieren möchte.

Ich glaube dass manche von uns in der Gefahr stehen, sich „häuslich“ in Ihrer Welt einzurichten. Unsere Denkgebäude klingen schlüssig für uns. Würden sie das nicht, wäre das ja auch fatal. Aber wenn es „in uns“ heimelig wird, sehen wir zum Teil gar keine Notwendigkeit mehr, nach draußen zu treten und uns in der „Welt da draußen“ umzuschauen. Dabei ist es draußen mit Sicherheit viel bunter. Und natürlich auch viel windiger, aber dafür sehr häufig auch viel schöner. Natürlich ist es bisweilen eine Herausforderung sich mit den Gegebenheiten „da draußen“ auseinander zu setzen und Wind, Regen und ab und zu auch Blitz und Donner gehören für manche nicht unbedingt zu dem, was sie gern ertragen. Aber die Welt „da draußen“ bietet uns trotzdem so viel mehr, als das Zimmer in uns. Und auch wenn es manchen schwerfällt es zu glauben – erst „die anderen“ da draußen machen vieles von dem Möglich, was wir heute unsere Zivilisation und Kultur nennen. Deshalb passte für mich dieses Zimmer mit dem Blick nach draußen.

Die spannende Frage ist, wie wir es schaffen miteinander zu leben. Vielfalt, Diversität und Inklusion sind heute gern bemühte Begriffe. Mir fallen drei weitere ein, ohne die die anderen nicht funktionieren werden. Achtung, Respekt und Toleranz. Aber Toleranz nicht in dem Sinne, dass wir alles, was die anderen tun gut finden sollen. Diese heute gern angenommene Bedeutung von Toleranz hat mit dem ursprünglich lateinischen Begriff „tolerare“ für „erdulden“/“ertragen“ nichts mehr zu tun. In einer toleranten Gesellschaft finden eben NICHT alle alles gut, was dort gedacht und getan wird. Wie sollte sie auch. Denn dann müsste es das EINE RICHTIGE geben, das alle zu meinen haben. Aber wo bliebe dann in einer vielfältigen, diversen Welt die Vielfalt und die Diversität? Und wer würde darüber entscheiden? Einer? Oder eine kleine Gruppe „Mächtiger“? Das würde sich nicht vertragen mit unserem Wunsch nach Demokratie. Und gerade Demokratien zeichnen sich doch dadurch aus, dass unterschiedlich und auch kontrovers gedachte werden darf. Der Kitt, der eine solche vielfältige, diverse und inklusive Gesellschaft zusammen zu halten vermag sind die bereits erwähnten drei: Achtung, Respekt und Toleranz. Solange wir uns in Achtung und mit Respekt begegnen. Solange wir bereit sind andere Meinungen, selbst die „falschen“, zu ertragen, solange sollte eine demokratische Gesellschaft funktionieren.

Natürlich benötigt auch eine solche Gesellschaft Grenzen. Erst diese Grenzen verleihen ihr am Ende die Identität, die es Individuen ermöglicht zu entscheiden, ob sie dazugehören wollen oder nicht. Aber ich glaube diese Grenzen können weit sein. Wie weit? Das hängt von unserem Respekt, unserer Achtung und unserer Toleranz ab.

Bild & Text

Dort, wo wir es wagen mit dem, was wir denken, glauben und fühlen von innen nach außen zu treten, dort wo wir uns sichtbar machen und in die Welt hinausgehen, entsteht die Gelegenheit zum Dialog und zu gegenseitigem Verständnis. Keine billige Gleichmacherei, sondern die Chance auf echte Toleranz und friedvolle Vielfalt.

Die Erde bietet Raum für viele Welten. Unsere Berufung ist nicht über diese Welten zu richten, sondern einander in gegenseitigem Respekt und Achtung zu lieben, selbst wenn wir bisweilen in dieser Liebe auch aneinander leiden.

Ich will nicht glauben, dass Hass und Aggression das letzte sind,
was wir als Menschheit zustande bringen.

Wir können mehr.

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Bildnummer: Lyrimage_230904_Norwegen_00025
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2023 001 Mann im Meer

Geschichte zum Bild

Dieser Mann stand zwischen den Booten im „Hafen“ eine ganze weile scheinbar unentschlossen im Wasser, während ich etwas wackelig auf der Mauer einer Burg herumbalancierte, um auf den Hafen herunter fotografieren zu können. In diesem Fall war die vermeintliche Unentschlossenheit dieses Mannes mein Glück. Wäre er schneller wieder von der Bildfläche verschwunden, wären die Boote heute alleine auf der Aufnahme. Auch wenn dies mit Sicherheit nicht der Fall war, wirkte die Szenerie auf mich ein wenig, als ob ein Fischer, der mehrere Boote sein eigen nannte, sich nicht entscheiden konnte, mit welchem Boot er heute hinaus fahren sollte. So entstand auch der Text zum Bild.

Wie oft können wir uns in der heutigen Zeit nicht zwischen den vielfältigen Optionen entscheiden, die uns unsere Welt bietet. Vielleicht, weil wir Sorge haben uns falsch zu entscheiden? Oder weil wir auf jeden Fall die beste Entscheidung treffen wollen? Wir überlegen und wir warten. Und wir versäumen dabei vom Denken auch ins Tun zu kommen. Dabei wurde uns Menschen ein so hohes Maß an Kreativität und Flexibilität in die Wiege gelegt, dass wir oft vermögen, selbst falsche Entscheidungen noch in gute Ergebnisse zu verwandeln.

Der Schlüssel, um uns weiter zu entwickeln, liegt manchmal nicht in perfekten Entscheidungen, sondern in mutigen Entschlüssen.

Bild & Text

Stillstand ist bisweilen das Ergebnis zu vieler Optionen.
Sie lähmen unsere Entscheidungsfähigkeit und
rauben unsere Kreativität.
In solchen Situationen wäre Mangel eine Chance
und vielleicht sogar ein Segen.

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_171029_Spanien_00089
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