2024 010 See mit Spiegelung

Die Geschichte zum Bild

Wer beim richtigen Wetter morgens am Ufer eines Fjords steht, kann ins Staunen geraten über die Klarheit der Bilder, die sich auf der unbewegten Fläche des Meeres spiegeln. Wenn man lange genug darauf schaut, fängt man vielleicht sogar an darüber zu grübeln, was Original und was „Kopie“ in dieser Szenerie ist.

Ein solches Bild kann man auf den Kopf stellen, ohne, dass es auf Anhieb ersichtlich ist. Man muss es nicht einmal speziell bearbeiten. Die Natur schafft das ganz ohne Bildbearbeitungssoftware.

In diesem Fall habe ich aber bewusst ein Bild gewählt, dass nur auf den ersten Blick ein perfekter Spiegel ist. Ich wollte einen „Fehler“ einbeziehen, an dem deutlich wird, was Realität und was Spiegel ist, um den Betrachter etwas länger im Bild zu halten.

Solche Illusionen bereichern die Welt unter „Vorspiegelung“ falscher Tatsachen. Aber wir empfinden es nicht als „Betrug“, sondern als Gewinn.

Was wäre, wenn Gott eine Illusion wäre. Wenn es Gott gar nicht gäbe? Wenn wir „umsonst“ geglaubt hätten und sich am Ende der Tage herausstellen würde, dass alles nur Einbildung war? Wenn wir sterben würden und dann nichts mehr käme. Wären wir enttäuscht? Um es kurz zu machen: nein. Logischerweise bliebe uns dieses Leid erspart, denn dann wären wir ja „einfach“ tot.

Aber was bedeutet diese Frage für unser Leben? Hätte unser Glaube uns zu Lebzeiten dann um wertvolle Erfahrungen „betrogen“? Uns Chancen und Möglichkeiten verwehrt, weil man als Christ „so was“ ja nicht macht oder „das“ unbedingt tun muss? Jeder Glaube hat seinen Kodex, der seine Anhänger mit „tu‘ dies“ und „lass‘ das“ konfrontiert. Was wäre uns entgangen? Wäre es den „Preis“ wert gewesen?

Ich bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass es bis heute jede Sekunde wert war. Wenn ich mir anschaue, was ich in den vergangenen Jahren an Freude, Frieden, Halt, Perspektive, Zuversicht, Gelassenheit und Liebe empfinden durfte, hätte es sich schon alleine dafür gelohnt. Trotz und gerade auch wegen der Zeiten, in denen ich der Verzweiflung nahe war.

Aber da bleibt noch etwas anderes. Etwas das sich nicht erklären und verstehen, und erst recht nicht beweisen lässt. Es sind die vielen Erfahrungen, in denen ich das Handeln Gottes erkenne. Manchen mögen von glücklichen Zufällen sprechen und ich kann sie nicht widerlegen. Könnte ich es, würde ich nicht mehr glauben, sondern wissen. Aber all diese oft leisen und sanften Momente, in denen ich das Gefühl hatte, Gott würde mir seine Heilende, schützende, stärkende Hand auf die Schulter legen, um mich zu bewahren oder zu beschenken, lassen mich festhalten an diesem Glauben, dass ich nicht einer Idee erlegen bin, sondern ein Wesen kennenlernen durfte, dass so viel größer und liebevoller ist, als alles, was ich mir jemals vorstellen konnte.

Ich wage die Frage anders zu formulieren: „Was können wir verlieren, wenn wir glauben? Ganz am Ende können wir nicht einmal enttäuscht werden.“

Bild & Text

Selbst wenn mein Glaube eine Täuschung wäre, und Gott nur eine Illusion, wöllte ich nicht auf ihn verzichten, weil er mir eine unbeschreibliche Hoffnung, Zuversicht und Freiheit schenkt. Wie muss es erst sein, wenn ich eines Tages Gott von Angesicht zu Angesicht begegnen werde!

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Bildnummer: Lyrimage_230819_Norwegen_2023_00021
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2024 006 Nuss mit offener Schale

Die Geschichte zum Bild

Langeweile ist furchtbar. Zumindest versuchen die meisten Menschen vor ihr zu fliehen und ich gehöre definitiv dazu. Langeweile ist aber nachgewiesenermaßen auch ein wichtiger Faktor für Kreativität. Und so saß ich an diesem Sonntag im März ziemlich gelangweilt am Esszimmertisch, ohne zu wissen, was ich mit mir anfangen sollte. Bis ich eine Walnuss zwischen die Finger bekam und anfing dieses banale Objekt näher zu untersuchen. Was irgendwann im Knacken der Nuss endete, um den Inhalt zu verspeisen. Aber so ein Nusskern sieht eigentlich ganz spannend aus. Vor allem wenn man ein Makroobjektiv in Griffweite hat und mal „genauer“ hinschaut.

Man spricht gern von einer „harten Nuss“, wenn es darum geht nicht ganz triviale Aufgaben zu lösen. In meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Organisationsentwickler ist Veränderung ein Teil meiner täglichen Arbeit. Was ich dabei feststelle ist, dass Veränderungen zunehmend schneller vonstattengehen sollen und die Abhängigkeiten, die es zu berücksichtigen gilt, dabei immer vielfältiger werden. Wir sprechen von steigender Komplexität. Dieser Trend beschränkt sich nicht nur auf Unternehmen. Er zieht sich durch unsere gesamte Gesellschaft.

Menschen reagieren unterschiedlich auf komplexe Veränderung. Während die einen nicht genug davon bekommen können, möchten die anderen am liebsten in ihrem gewohnten Umfeld verharren. Sie sind froh, solange niemand die Schale ihrer heilen Welt knackt. Evolutionsbiologisch durchaus erklärbar. Unser Gehirn ist darauf getrimmt möglichst wenig Energie beim Denken zu verbrauchen und möglichst keine Risiken einzugehen. Veränderung verlangt aber beides. Bekommt unsere „heile Welt“ Risse, wird uns unwohl, weil Anstrengung und damit ein höherer Energiebedarf drohen.

Allerding nimmt die Welt darauf keine Rücksicht. Sie entwickelt sich weiter – mit oder ohne uns. Früher oder später wird die Sphäre unserer persönlichen kleinen Welt Risse bekommen und unter dem Veränderungsdruck brechen. Dann ist die Nuss geknackt und wir müssen uns fragen, was wir mit dem Kern anfangen, der da sichtbar wird.

Das tolle ist: Dieser Kern ist ein Same – Veränderungspotential pur!

Unsere Aufgabe ist es, die Bedingungen zu schaffen, dass sich dieses Potential entfalten kann. Was sind das für Bedingungen?

  • Ein Bild von Zukunft, nachdem der Mensch bereit ist zu streben
  • Die Vermittlung der Fähigkeiten, die die neue Welt fordert
  • Lob und Bestätigung, die bestehende und neue Fähigkeiten weiterwachsen lassen
  • Und Beistand, wenn dann doch auch einmal etwas schief geht. Und das wird es.

Wenn Veränderung in einem solchen Rahmen geschieht, kann aus dem Zerbrechen der alten Welt die Befreiung zu einer neuen werden.

Bild & Text

Wenn das alte nicht zerbricht, kann das neue nicht wachsen
Zerbrochen und befreit.

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Bildnummer: Lyrimage_230305_Weissach_00001
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