2024 014 Mann im Boot

Geschichte zum Bild

Der Ort, an dem dieses Bild entstanden ist, tut eigentlich nichts zur Sache. Dieses Bild könnte auf jedem See der Welt aufgenommen sein. Trotzdem sei das Gut Ralligen in Merligen, direkt am Thuner See in der Schweiz, hier erwähnt. Einfach weil es ein so toller Ort ist. Das im 14. Jahrhundert gegründete Rebgut des Augustiner-Klosters Interlaken, ist seit 1976 Gästehaus der Christusträger Bruderschaft und wird für Gemeinde- und Familienfreizeiten, Retraiten, Mitarbeitertagungen und Kloster auf Zeit aber auch als Pilgerherberge genutzt. Viele der Pilger, die wir dort getroffen haben, sagten, dass es eine der schönsten Pilgerunterkünfte sei, die ihnen auf ihrer bisherigen Reise begegnet wären. Neugierig? Hier der Link zu den Christusträgern.

Zum Gut Ralligen gehört auch ein kleines Bootshaus mit Ruderboot. Und so sieht man ab und an Gäste des Gutes dort rudern. An dem Morgen, an dem dieses Bild aufgenommen wurde, reflektierte das Wellenspiel des Sees das Licht besonders intensiv. Das kleine Boot machte auf dem See einen beinahe verlorenen Eindruck. Ob es da gewesen wäre oder nicht hätte für die Welt in diesem Augenblick keinen Unterschiede gemacht – es war bedeutungslos.

Der Text zu dem Bild entstand schon viel früher. Aber auch damals war der Auslöser ein einsames Boot auf einem morgendlichen See. Nur dieses mal war der Ruderer viel besser zu erkennen. Mir kam die Idee, das Thema der Bedeutungslosigkeit noch stärker zu betonen, in dem ich es aussehen ließ, als würde in diesem Boot nur eine Leere Hülle sitzen.

Was gibt Menschen Bedeutung? Die Rolle die sie einnehmen? Oder sind Rollen nur Hüllen aus Erwartungen und Verantwortungen, die das Handeln von Menschen in einem bestimmten Kontext zwar bestimmen aber ihr eigentliches Potential und ihre eigentliche Bedeutung gleichsam in sich begraben? Es mag beides geben. Was machen Deine Rollen mit Dir? Was ist Deine Bedeutung im Leben?

Falls Du den Eindruck hast, dass Deine Rolle Dich mehr beschränkt als befreit, warum lässt Du sie dann nicht „einfach“ hinter Dir? Es mag gute Gründe dafür geben es nicht zu tun. Ein schlechter wäre, wenn Du an Deiner Rolle hängst, weil Du glaubst ohne sie ein „Nichts“ zu sein. So wie der Inhalt der Hülle des Ruderers in diesem Boot.

Ein zweiter Gedanke, den ich mit dem Bild verbinde ist die Frage nach vielfach ersehnten Freiheit. Freiheit ist uns wichtig. Der Wunsch nach ihr begegnet uns an jeder Ecke. In den vielfältigen Lebensstilen unserer Gesellschaft, in der Werbung in unserem täglichen Sehnen das zu tun was wir wollen und nicht das was wir müssen.

Eine gute Möglichkeit Freiheit zu erlangen wäre auszusteigen. Sich aus der „Gleichung“ des gesellschaftlichen Lebens zu streichen. Damit verbunden wäre der bereits beschriebene Verlust jeglicher Bedeutung für den bisherigen Kontext. Wenn Du Deine alten Rollen hinter Dir lässt, bist Du für das System in dem Du sie gelebt hast, nicht mehr relevant dafür aber frei. Willst Du die „höchste Form der Freiheit“? Vielleicht hilft es uns in unseren Rollen, wenn wir ab und an darüber nachdenken, denn seltsamer Weise streben die wenigsten Menschen nach dieser höchsten Form. Warum? Weil es vielleicht doch wichtig für uns ist in irgendeiner Form von Bedeutung zu sein. Aber das sind wir nur, wenn wir uns Verknüpfen. Uns Einbetten in ein größeres Ganzes, dass uns Freiheit auf der einen Seite beschränkt uns aber auf der anderen Seite mit Bedeutung beschenkt.

Ich glaube die Kunst ist die richtige Rolle in seinem Leben zu finden. Deshalb stelle ich die Frage noch einmal… was ist Deine Rolle?

Bild & Text

Bedeutungslosigkeit ist die höchste Form der Freiheit.
Sie befreit uns von allen Erwartungen
und entlässt und aus aller Verantwortung.

Seltsam, dass wir so wenig nach ihr streben.

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_240519_Merligen_00164-Bearbeitet-2-Bearbeitet
Schlagwörter :

2024 004 Sterne über See

Geschichte zum Bild

Im Februar am Hopfensee begann die Fotosession kurz nach 5:00 Uhr morgens. Wunderschön und still. Wenn man um diese Uhrzeit länger unbewegt am See steht, wird man von so manchem frühen Jogger etwas argwöhnisch beäugt. Zumindest bis er das Stativ und die Kamera darauf entdeckt. Dann entspannen sich die Gesichtszüge und man erntet sogar das eine oder andere mehr oder weniger mitleidige Lächeln ob der Kälte.

Aber das ist das Vorrecht des Fotografen: Man muss nicht auf Zeit und Puls achten, sondern darf einfach nur herumstehen und beobachten.

Wenn man an einem solchen Morgen an einem spiegelglatten nahezu menschenleeren Ufer steht und zusieht, wie die Milchstraße kurz über den bergigen Horizont lugt, bevor der Sonnenaufgang sie überstrahlt, kann man schon ins Staunen kommen ob all der Unendlichkeit die sich über einem spannt…. und ins Nachdenken über die Frage, welche Bedeutung wir angesichts eines solchen Maßstabs noch haben. Vielleicht ist Bedeutung und Sinn aber gar keine Frage des Maßstabs, sondern eine Frage unserer eigenen Werte und Entscheidungen. Denn hier auf diesem kleinen Punkt in diesem unendlichen Universum können wir einen Unterschied machen.

Bild & Text

Wundermächtig schön ziehen sie ihre Bahn. Erinnern uns ganz still daran,
wie unbedeutend wir für all das sind, was in diesem Sternenmeer geschieht.
Doch hier im Kleinen immer Kleineren dürfen wir zu Schöpfern und zu Weltenlenkern werden. Entscheiden über Sinn.
Wie ohnmächtig mächtig wir doch sind.

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_230222_Winterurlaub_00057-Verbessert-RR
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