2026 003 Segelschiff vor Insel

Dieses Segelboot vor Sardinien zog gemächlich seine Bahn. Schnurstracks der Küstenlinie folgend auf dem Weg zum nächsten Hafen. Bedenkt man, dass die ersten Zeugnisse von Segelbooten bereits im Neolithischen Zeitalter, ca. 5.500 Jahre vor Christus, zu finden sein sollen, dann gehören Segelschiffe wohl zu den ältesten Fortbewegungsmitteln der Menschheit. Schon vor tausenden von Jahren steckten sich Menschen Ziele und wussten, den Wind zu nutzen, um sie zu erreichen. Dieses Streben nach neuen Ufern hat uns nie verlassen.

Heute lehrt man uns, Visionen zu entwickeln, uns Ziele zu stecken, Strategien und Pläne zu erarbeiten, um uns dann an die Verwirklichung unserer Träume zu machen. Wir sollen intrinsisch motiviert, zielorientiert, fachlich versiert und engagiert sein. Dann können wir nahezu alles erreichen – verspricht man uns. Viele leben uns das vor. Sie leben in mehrfacher Hinsicht auf der Überholspur und der Erfolg gibt ihnen recht.

Wenn das einem Menschen gelingt, ist er zu Recht stolz darauf – denken wir. Denn jeder möchte Stolz auf etwas sein.

Ich stelle mir die Frage, ob Stolz wirklich erstrebenswert ist. Stolz rückt sich selbst in den Mittelpunkt. In einer zunehmend egozentrischen Gesellschaft muss das nicht unbedingt eine erfolgsversprechende Emotion sein. Ich frage mich, ob Dankbarkeit nicht eine bessere Alternative wäre. Denn während Stolz leicht die anderen um einen vergessen lässt, bezieht Dankbarkeit sie in eine vollbrachte Leistung mit ein. Und wer von uns kann schon sagen, dass er alles in seinem Leben alleine geschafft hätte? Spätestens dann, wenn wir den ganz großen Bogen aufspannen, kann man behaupten: Kein Genie unserer Zeit hätte das erreichen können, was er erreicht hat, hätten nicht einige unserer Vorfahren irgendwann Sprache und Schrift oder Segelschiffe entwickelt. Alles baut aufeinander auf und hängt voneinander ab.

Deshalb gibt es – meiner Meinung nach – nicht einen einzigen Grund, Stolz zu sein. Aber tausend Gründe dankbar zu sein. Am Ende entscheidet Gott über unseren Erfolg. Am Ende ist er das Fundament unseres Gelingens und sendet uns zur richtigen Zeit den richtigen Rückenwind, um unsere Ziele zu erreichen. Das hat sich in all den Jahren, seit der Erfindung von Segelschiffen, nicht geändert.

Bild & Text

Der Kurs gewählt. Die Segel gesetzt. Das Land in Sicht.
Alles ist bereit.

Nun heißt es, auf den zu warten, der den Wind schenken kann.
Denn es wäre vermessen, zu glauben,
dass wir darüber entscheiden,
ob und wann wir unsere Ziele erreichen.

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_130527_Sardinien_00111
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2024 024 Küste mit Brandung

Die Geschichte zum Bild

Die Costa Paradiso an der Nord-Westküste Sardiniens wird ihrem Namen gerecht. Ich habe selten eine so beeindruckende Küste erlebt wie dort. Man kann stundenlang auf den Felsen herumklettern immer der Wasserlinie entlang. Mit oder ohne Wege. Wirklich ein beinahe paradiesischer Abschnitt soweit man das als Mensch beurteilen kann.

Das Bild zu dem Text mag künstlich wirken. Aber genau das ist das verrückte an dieser Küste. Es sah wirklich so aus. Die Farben, das Licht die Felsen… alles ein Wirklichkeit gewordenes Gemälde.

Und der Text? Wenn man eine Weile auf den Klippen sitzt und der Wucht des Wassers zuschaut, wenn man die Küstenlinie beobachtet und deren Schroffheit bewundert, wenn man über den Zeitraum nachdenkt über den diese Küste geformt wurde, liegt die Frage nahe, was einen selbst geformt hat und noch formen wird. Und was all die Ereignisse, die auf uns wirken am Ende aus uns machen werden.

Für mich ist es tröstlich zu glauben, dass all die Ereignisse die auf uns einwirken nicht dem Zufall entspringen, sondern einem Schöpfer, der heute schon ein Bild vor Augen hat, was aus uns werden soll. Und ich bin davon überzeugt, dass es weitaus paradiesischer sein wird als diese Küste mit ihrem sehr passenden Namen.

Bild & Text

Meine Zeit steht in Deinen Händen. In Dir ist keine Eile.
Wie oft hätte ich mir gewünscht, es wäre schneller gegangen.
Meine Ungeduld forderte Dich heraus, klagte Dich an.
Doch Du ließt Dich nicht drängen. Jahr um Jahr formtest Du mich.
Einmal behutsam und geduldig. Einmal wuchtig und unausweichlich.
Ich sehe auf das Meer meiner Welt und weiß nicht, wo ich sein werde,
wenn Du zum Ende mit mir kommst. Aber ich spüre die Veränderung.
Ich ersehne sie. Ich hoffe, Du lässt niemals nach,
mich in meiner Widerspenstigkeit zu zähmen. Mich zu verändern.
Dass ich eines Tages der sein werde, den Du aus mir machen willst.
Dann werde ich meinen Platz finden.
Dann wird Frieden sein.

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_130531_Sardinien_00161-Verbessert-RR
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2024 002 Zimmer mit Aussicht

Die Geschichte zum Bild

Ein Dank an Harald, unseren norwegischen Vermieter, der es mir freundlicherweise erlaubt hat, diese Innenansicht seines Ferienhauses zu veröffentlichen. Harald hat sich Zeit genommen. Uns eine mehrstündige Rundtour durch „sein Land“ geschenkt. Einfach so. Ohne, dass wir ihn darum gebeten hätten oder er etwas dafür verlangt hätte. Er hat uns wunderschöne Plätze gezeigt und bewiesen, dass sich Menschen nicht kennen müssen, um gute Erfahrungen miteinander zu machen. Selbst wenn sie ganz unterschiedlich „ticken“ – was wir mit Sicherheit tun. Ich denke gern an Harald zurück.

Als ich dieses Bild aufgenommen habe, gab es weder den Text noch das Ziel, einen Text für dieses Bild zu schreiben. Der Text kam erst viel später, als ich mich mit neuen Ausstellungen beschäftigt habe, und der Kerngedanke der neuen Ausstellungsserie feststand: „Von innen nach außen – Kunst als Chance für Dialog und Verständigung.“ Ich suchte nach einem „Titelbild“ für die Ausstellung. Als mir das Zimmer mit Blick nach draußen wieder in die Hände fiel, und ich es eine Weile anschaute, wurde mir klar, dass für mich alles an diesem Bild auch zu den Gedanken passt, die ich mit der neuen Ausstellungsserie verbinde und auch transportieren möchte.

Ich glaube, dass manche von uns in der Gefahr stehen, sich „häuslich“ in Ihrer Welt einzurichten. Unsere Denkgebäude klingen schlüssig für uns. Würden sie das nicht, wäre das ja auch fatal. Aber wenn es „in uns“ heimelig wird, sehen wir zum Teil gar keine Notwendigkeit mehr, nach draußen zu treten und uns in der „Welt da draußen“ umzuschauen. Dabei ist es draußen mit Sicherheit viel bunter. Und natürlich auch viel windiger, aber dafür sehr häufig auch viel schöner. Natürlich ist es bisweilen eine Herausforderung, sich mit den Gegebenheiten „da draußen“ auseinanderzusetzen, und Wind, Regen und ab und zu auch Blitz und Donner gehören für manche nicht unbedingt zu dem, was sie gern ertragen. Aber die Welt „da draußen“ bietet uns trotzdem so viel mehr, als das Zimmer in uns. Und auch wenn es manchen schwerfällt, es zu glauben – erst „die anderen“ da draußen machen vieles von dem Möglich, was wir heute unsere Zivilisation und Kultur nennen. Deshalb passte für mich dieses Zimmer mit dem Blick nach draußen.

Die spannende Frage ist, wie wir es schaffen, miteinander zu leben. Vielfalt, Diversität und Inklusion sind heute gern bemühte Begriffe. Mir fallen drei weitere ein, ohne die die anderen nicht funktionieren werden. Achtung, Respekt und Toleranz. Aber Toleranz nicht in dem Sinne, dass wir alles, was die Anderen tun, gut finden sollen. Diese heute gern angenommene Bedeutung von Toleranz hat mit dem ursprünglich lateinischen Begriff „tolerare“ für „erdulden“/“ertragen“ nichts mehr zu tun. In einer toleranten Gesellschaft finden eben NICHT alle alles gut, was dort gedacht und getan wird. Wie sollte sie auch. Denn dann müsste es das EINE RICHTIGE geben, das alle zu meinen haben. Aber wo blieben dann in einer vielfältigen, diversen Welt die Vielfalt und die Diversität? Und wer würde darüber entscheiden? Einer? Oder eine kleine Gruppe „Mächtiger“? Das würde sich nicht vertragen mit unserem Wunsch nach Demokratie. Und gerade Demokratien zeichnen sich doch dadurch aus, dass unterschiedlich und auch kontrovers gedacht werden darf. Der Kitt, der eine solche vielfältige, diverse und inklusive Gesellschaft zusammenzuhalten vermag, sind die bereits erwähnten drei: Achtung, Respekt und Toleranz. Solange wir uns in Achtung und mit Respekt begegnen. Solange wir bereit sind, andere Meinungen, selbst die „falschen“, zu ertragen, solange sollte eine demokratische Gesellschaft funktionieren.

Natürlich benötigt auch eine solche Gesellschaft Grenzen. Erst diese Grenzen verleihen ihr am Ende die Identität, die es Individuen ermöglicht, zu entscheiden, ob sie dazugehören wollen oder nicht. Aber ich glaube, diese Grenzen können weit sein. Wie weit? Das hängt von unserem Respekt, unserer Achtung und unserer Toleranz ab.

Bild & Text

Dort, wo wir es wagen, mit dem, was wir denken, glauben und fühlen von innen nach außen zu treten, dort, wo wir uns sichtbar machen und in die Welt hinausgehen, entsteht die Gelegenheit zum Dialog und zu gegenseitigem Verständnis. Keine billige Gleichmacherei, sondern die Chance auf echte Toleranz und friedvolle Vielfalt.

Die Erde bietet Raum für viele Welten. Unsere Berufung ist nicht über diese Welten zu richten, sondern einander in gegenseitigem Respekt und Achtung zu lieben, selbst wenn wir bisweilen in dieser Liebe auch aneinander leiden.

Ich will nicht glauben, dass Hass und Aggression das Letzte sind,
was wir als Menschheit zustande bringen.

Wir können mehr.

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_230904_Norwegen_00025
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