2024 011 Menschen vor Wolkenwand

Die Geschichte zum Bild

Viderjoch auf der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz. Wir sind ganz einfach mit Seil- und Sesselbahn hochgefahren. Wer lange Sessellifte liebt, dem sei die Flimsattelbahn empfohlen. Eine lange hohe über viele beeindruckende Felsbrocken führende Trasse. Schön für Familien mit Kids.

Für uns war es entspannt da oben zu stehen und auf Samnaun herunterzublicken. Das aufziehende Wetter musste uns, dank Seilbahnkarte, nicht weiter beschäftigen. Wäre ich alleine wandernd unterwegs gewesen, hätte ich mich – denke ich – langsam, aber sicher auf den Weg ins Tal gemacht.

Die Sonne zauberte Silhouetten aus den Menschen, die sich mehr oder weniger unschlüssig die Frage zu stellen schienen, was sie ohne Seilbahnkarte jetzt tun sollten.

Für mich war die Szene eine Metapher für die sich immer schneller verändernde Großwetterlage in unserer Welt. Das wir uns nicht über Veränderung wundern brauchen, führen uns die Berge seit Jahrtausenden vor Augen. Aber angesichts der Schnelligkeit und Wucht mancher Veränderungen müssen wir uns heute darüber im Klaren sein, dass Fehlentscheidungen weitreichendere Folgen haben können, als sie das früher hatten. Wir befinden uns mit unserer Welt heute nicht mehr auf dem „Flachland“ vergangener Epochen. Die exponentiellen Entwicklungen unserer Tage lassen das Terrain steiler werden und die Grade schmaler innerhalb derer wir unseren Weg noch sicher gestalten können.

Was gibt uns in einem solchen Szenario Sicherheit? Ist es die Wissenschaft? Ist es die Technik? ist es unser Verstand und unser Glaube in unsere eigenen Fähigkeiten?

Der vorletzte Satz der Bildunterschrift ist kein Schreibfehler. Die „eigenen Fähigkeiten“ habe ich bewusst kleiner geschrieben, denn wenn ich mir unser Verhalten in dieser Welt anschaue, fürchte ich, dass wir uns überschätzen. Und das Satzzeichen am Ende fehlt nicht versehentlich. Ob da ein Ausrufezeichen oder ein Fragezeichen stehen sollte… was meinst Du?

Eines ist sicher!

Bild & Text

Eines ist sicher: Hier verändert sich was.
In welche Richtung wissen wir noch nicht.
Aber wir spüren: Es wird Zeit, sich zu entscheiden.
Orientieren wir uns neu? Gehen wir die geplanten Wege weiter?
Wie lange gibt uns das Leben Zeit, um abzuwarten
und die sich anbahnende Veränderung zu beobachten?
Was gibt uns Sicherheit?
Nur der Glaube an unsere eigene Fähigkeit
Eines ist sicher!

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_200911_Samnaun_00204-Bearbeitet
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2023 001 Mann im Meer

Geschichte zum Bild

Ich möchte Dir Pedro vorstellen. Pedro war ein spanischer Fischer, der sein Handwerk ganz hervorragend verstand. Immer wenn er auf das Meer hinausfuhr, kam er mit viel mehr Fischen zurück, als er für sich, seine Frau und seine beiden Kinder gebraucht hätte. So konnte er den Rest des Fangs verkaufen und sich einen gewissen Wohlstand aufbauen. Am meisten am Beruf des Fischers gefiel ihm das Unterwegssein mit einem Boot. Und so kam es, dass er sich über die Jahre immer mal wieder ein neues Fischerboot kaufte, ohne jedoch sein bisheriges, liebgewonnenes, altes zu verkaufen. Er gelangte in die komfortable Lage, jeden Morgen aufs Neue entscheiden zu dürfen, mit welchem Boot er denn heute auf Fischfang gehen würde.

Eines Morgens nun, es war im Spätsommer, ging er, wie jeden Tag, zum Hafen, stapfte ins Meer und überlegte, welches seiner Boote heute wohl angemessen wäre. Und als er so dastand, geschah etwas, was ihm bis zu diesem Tag noch nie passiert war. Er konnte sich nicht entscheiden. Er nannte zwischenzeitlich so viele Boote sein Eigen, dass er, ob der großen Auswahl, nicht im Stande war, eine Wahl zu treffen. Und so stand er da und dachte nach und stand da und dachte nach und stand da und dachte nach, bis es Abend wurde, die Sonne untergegangen war und der Mond das Meer in silbernes Licht tauchte. Zu spät, um zu fischen. Das war das erste Mal, dass der Fischer Pedro ohne einen einzigen Fisch zurückkehrte. Zu reich an Möglichkeiten, um sich zu entscheiden.

Natürlich ist diese Geschichte frei erfunden. Aber vielleicht ertappst Du Dich ja auch ab und an dabei, dass Du vor lauter Ehrgeiz, das Beste zu finden, das Gute verpasst.

Nun aber zur wahren Geschichte des Bildes…

Dieser Mann stand zwischen den Booten im „Hafen“ eine ganze Weile scheinbar unentschlossen im Wasser, während ich etwas wackelig auf der Mauer einer Burg herumbalancierte, um auf den Hafen herunter fotografieren zu können. In diesem Fall war die vermeintliche Unentschlossenheit des Mannes mein Glück. Wäre er schneller wieder von der Bildfläche verschwunden, wären die Boote heute allein auf der Aufnahme. Auch wenn dies mit Sicherheit nicht der Fall war, wirkte die Szenerie auf mich ein wenig, als ob ein Fischer, der mehrere Boote sein Eigen nannte, sich nicht entscheiden konnte, mit welchem Boot er heute hinausfahren sollte. So entstand auch der Text und die Geschichte zum Bild.

Wie oft können wir uns in der heutigen Zeit nicht zwischen den vielfältigen Optionen entscheiden, die uns unsere Welt bietet. Vielleicht, weil wir Sorge haben, uns falsch zu entscheiden? Oder weil wir auf jeden Fall die beste Entscheidung treffen wollen? Wir überlegen und wir warten. Und wir versäumen dabei, vom Denken auch ins Tun zu kommen. Dabei wurde uns Menschen ein so hohes Maß an Kreativität und Flexibilität in die Wiege gelegt, dass wir es oft vermögen, selbst falsch getroffene Entscheidungen noch in gute Ergebnisse zu verwandeln.

Der Schlüssel, um uns weiterzuentwickeln, liegt manchmal nicht in perfekten Entscheidungen, sondern in mutigen Entschlüssen.

Bild & Text

Stillstand ist bisweilen das Ergebnis zu vieler Optionen.
Sie lähmen unsere Entscheidungsfähigkeit und
rauben unsere Kreativität.
In solchen Situationen wäre Mangel eine Chance
und vielleicht sogar ein Segen.

Daten zum Bild


Bildnummer: Lyrimage_171029_Spanien_00089
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