Geschichte zum Bild
Eine große Faszination der Landschaftsfotografie liegt darin, dass man tausendmal den gleichen Weg gehen kann, ohne etwas zu entdecken. Und dann plötzlich: Ist das Licht anders, das Wolkenspiel besonders oder die Vegetation hat sich verändert. So wie bei diesem Bild. Ein Feld, an dem ich sicher an die 200 Mal pro Jahr vorbeigehe. Und so spazierte ich auch an diesem Juniabend 2016 nach einem Sommerregen wieder einmal meiner „Hausrunde“ entlang und hatte aus Langeweile die Kamera eingepackt. Der Abend war lau und warm. Die Sonne stand schon tief. Das Licht strahlte von der Seite auf die Blüten und brachte sie auf eine majestätische Weise zum Leuchten. Dieser Anblick des von Mohnblumen durchtränkten Feldes zog mich in seinen Bann. Wie wunderschön kann Alltägliches sein, wenn man sich die Zeit nimmt, es zu betrachten.
Ich suchte mir eine Blüte aus, die mich direkt ansah. Wählte eine lange Brennweite und eine große Blendenöffnung, um den Hintergrund möglichst unscharf erscheinen zu lassen. Zuhause entsättigte ich das Bild bis auf die Rot-Werte, um das Leuchten noch intensiver werden zu lassen.
Der Text zum Bild bot sich an, weil es kurz nach einem Sommerregen entstand, während das Feld gerade dabei war, wieder abzutrocknen. Mohnblumen scheinen sehr filigran und zerbrechlich. Und trotzdem widerstehen sie auch schweren Sommergewittern mit Regen, Hagel, Blitz und Sturm. Wie erstaunlich widerstandsfähig Gott seine Natur erschaffen hat! Mir kommt ein Textabschnitt aus der Bibel in den Sinn:
„Wenn Gott sogar die Blumen so schön wachsen lässt, die heute auf der Wiese stehen, morgen aber schon verbrannt werden, wird er sich nicht erst recht um euch kümmern? Vertraut ihr Gott so wenig?“ (Die Bibel – Matthäus 6,30)
Ich denke, das ist unsere Herausforderung: zu hoffen, darauf zu vertrauen und damit zu rechnen, dass Gott uns nach stürmischen Zeiten immer wieder mit neuem, gutem Leben beschenkt. Und dass uns diese Lebensstürme nicht nur bedrohen, sondern uns mit Gottes Hilfe vor allem auch widerstandsfähiger machen.
Wenn wir es schaffen, eine solche Sicht auf unsere Welt zu bewahren, werden nicht nur wir selbst gerettet. Wir können auch zu Hoffnungsträgern für andere werden. Und Hoffnung hat diese Welt dringend nötig.
Bild & Text

Schenk‘ mir das Leben neu.
Nach dem Sturm, der mich zu Boden drückte.
Schenk‘ mir das Leben neu.
Nach dem Regen, der mich beinah‘ erstickte.
Schenk‘ mir das Leben neu.
Nach der Nacht, in der ich fast erfror.
Du schenkst mir das Leben neu.
Durch den Wind,
der meinem Halm die Kraft zum Widerstehen schenkte.
Du schenkst mir das Leben neu.
Durch den Regen,
der meine welken Blätter tränkte.
Du schenkst mir das Leben neu.
Durch die Nacht,
die mich zur Ruhe zwang.
So war mir das, womit ich rang
in Wahrheit der Segendurch den ich, was ich ersehnte,
erst gewann.
Schenk mir das Leben neu.


