2026 006 Mutter und Kind bei Turm

Als dieses Bild 2009 aufgenommen wurde, waren meine Kinder neun und fünf Jahre alt. Ich arbeitete als Führungskraft im Management eines IT-Unternehmens und war deutschlandweit unterwegs. Die Arbeit war zwar anstrengend, aber unser Business lief gut. Man könnte sagen: „Wir waren erfolgreich.“

Die Zeiten, in denen ich meine Kinder am meisten sah, beschränkten sich auf unsere gemeinsamen Urlaube. Im Jahr 2012 habe ich meine Führungsposition an den Nagel gehängt. Unter anderem auch, weil ich den Eindruck hatte, dass ich zunehmend Gast und nicht mehr Mitglied meiner eigenen Familie war. Ich wollte wieder eine Rolle im Leben meiner Kinder spielen und nicht „nur“ für die Beschaffung der Finanzen zuständig sein.

Das größte Kompliment für Eltern ist vermutlich, wenn ihre Kinder sie zu ihren Beratern machen, nachdem sie begonnen haben, ihr eigenes Leben aufzubauen. Das dürfen wir heute erleben. Und ich bereue keinen einzigen Euro, den ich nach meiner beruflichen Veränderung weniger verdient habe. Denn ich durfte zwei unbeschreiblich wertvolle Menschen zurückgewinnen.

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Wie definiert sich Erfolg,
wenn wir weiterdenken als eine Generation?
Eine Alternative zu Geld oder Macht
wären die leuchtenden Augen der Kinder,
deren Eltern ihnen das wohl knappste Gut
unserer Gesellschaft geschenkt haben: Zeit.

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2026 005 Büste an Fassade

Träume schenken uns nicht nur Hoffnung und Motivation. Manchmal treiben sie uns auch dazu an, sie mit übertriebenem Ehrgeiz zu verfolgen. Dann wird die Frage nach Macht und wie wir sie nutzen relevant.

Macht entfesselt einen Menschen. Bei den einen wirkt sie korrumpierend, während die anderen sie als Verantwortung, das Gemeinwohl zu fördern, begreifen.

Wir tun als Gesellschaft gut daran, Macht nur auf Zeit zu erteilen, denn niemand vermag vorherzusagen, welche Wirkung Macht auf einen Menschen haben wird. König Friedrich VII von Dänemark, der auf diesem Bild zu sehen ist, hat das wohl verstanden und verhalf 1849 dem Staatsgrundgesetz zur Verabschiedung. Es gilt bis heute als Grundlage der dänischen Verfassung. Jeder Mensch sollte Macht als Verpflichtung zum Dienst begreifen und nicht als Freibrief für Willkür.

Auch wenn wir uns in demokratischen Systemen über vieles beklagen – ja sogar beklagen sollen und glücklicherweise auch dürfen – sind es eben genau diese Staatsformen, die Macht nur auf Zeit verleihen, indem sie uns die Wahl lassen. Sie zu nutzen, ist unsere Verantwortung.

Zu dem Bild selbst gibt es wenig zu sagen. Ich habe es im Vorbeigehen geschossen, als wir durch die Fußgängerzone von Rudkøbing spaziert sind. Ich habe mir erlaubt, die Schrift auf dem Banner im Nachhinein zu ändern.

Dass im Moment der Aufnahme eine Taube die Büste von König Friedrich als Ruheplatz nutzte, war für mich im Nachhinein wie ein kleiner Fingerzeig, dass „die Kleinen“ nicht den „Mächtigen dieser Welt“, sondern die „Mächtigen dieser Welt“ dem Volk dienen sollten. So wie es der Namensvetter von Friedrich VII, der preußische König Friedrich der Große, 1740 formulierte: „Ich bin der erste Diener meines Staates. Ich darf nicht ruhen, solange ich sehe, dass etwas zu tun übrig bleibt.“

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Wenn Du wissen willst, wie ein Mensch wirklich ist, dann gib ihm Macht.

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2024 026 Hände und Tastatur

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Künstliche Intelligenz beschäftigt auch meine Firma. Das Potential, das heute schon existiert, ist enorm. Sei es in der Medizin, bei Unternehmensabläufen, im Engineering und in vielen weiteren Bereichen. Überall ergeben sich neue spannende Möglichkeiten. Dabei sind die heutigen Algorithmen noch weit von dem entfernt, was wir gewöhnlich unter menschlicher Intelligenz verstehen. Und ob wir das je erreichen werden wird kontrovers diskutiert.

Und trotzdem befinden wir uns in einem – für die Geschichte der Menschheit – einmaligen Prozess. Wir sind dabei die Kontrolle über uns in einem nie dagewesenen Maße an etwas zu übergeben, dass wir selbst erschaffen haben.

Ausgerechnet ein totalitärer Staat wie China sorgt sich so sehr vor den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, dass alle Entwicklungen in diesem Bereich staatlich überprüft werden müssen, um „sicher“ zu stellen, dass sie konform zur Parteidoktrin sind. Offenbar existiert auch dort die Sorge, dass uns die Kontrolle entgleiten könnte.

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ich gehöre nicht zu den Menschen die daran glauben, dass wir im Sinne der KI Forschung eine sogenannte Singularität erleben werden. Also die Entstehung einer Superintelligenz, die die Menschlichen Fähigkeiten in allen Belangen übertrifft und ein eigenes Bewusstsein besitzt. Die Frage ob das je der Fall sein wird ist für mich offen. Ich kann es mir nicht vorstellen. Aber was ich mir vorstellen kann und was heute schon geschieht, ist das Maschinen schneller mehr Daten verarbeiten können als in der Lage dazu sind. Und das sie auf Basis dieser Analysen schneller Entscheidungen treffen können, als wir das zu tun in der Lage sein werden. Und das in allen Bereichen unserer Gesellschaft. In der Medizin, wo es hilfreich sein mag. In der Wirtschaft, wo es nützlich sein kann. Aber auch im militärischen Bereich, wo es über Sieg und Niederlage entscheiden könnte. Dabei stehen wir in dem Dilemma zwischen Schnelligkeit und Kontrolle. Je schneller die System sein sollen oder müssen, desto mehr Autonomie müssen wir ihnen zugestehen. Ich finde es beängstigend, wenn man diese Frage auf den militärischen Bereich bezieht. Ab wann soll eine Waffe selbstständig entscheiden ob sie reagiert oder nicht. Das ist keine Sience Fiction, sondern eine Frage, mit der sich heute Militärexperten auseinandersetzen. Das ist KI, die heute schon in ersten Versionen programmierbar ist. Wieviel Kontrolle geben wir aus der Hand? Der militärische Sektor ist dabei nur ein gutes Beispiel um die Tragweite etwas drastischer zu verdeutlichen. Auch im Börsenhandel sind solche System denkbar. Zeit ist Geld und an den Märkten mögen Millisekunden darüber entscheiden, ob Gewinn oder Verlust entsteht. Bereits 2014 titelte der Deutschlandfunk „Die Macht der Algorithmen – Ist von der Börse die Rede, kommt vielen noch das geschäftige Treiben telefonierender und rufender Händler in den Sinn. Doch das ist Geschichte. Heute bestimmt der Computerhandel das Bild. Transaktionen werden weltweit in Bruchteilen von Sekunden vorgenommen. Das birgt viele Risiken.“ Zu dieser Zeit war von KI im heutigen Sinne noch nicht in der breiten Öffentlichkeit die Rede.

Unsere Verantwortung als Menschheit wird sein uns selbst zu Begrenzen. Solange bis wir besser in der Lage sind einzuschätzen, welches Potential aber auch welches Risiko in diesen Technologien liegt. Heute werden viele Produkte erst am Markt fertig entwickelt um Zeit zu sparen und Gewinn zu maximieren. Bei einer Technologie von der wir selber zum Teil nicht wissen warum sie handelt wie sie handelt wäre es in etwa so, als würde man auf der Straße eine Blaue Pille finden und sie schlucken um in Erfahrung zu bringen wie sie wirkt, anstatt sie in einem Labor zu analysieren. Wir sollten auch in Bezug auf KI das tun, was wir als Menschheit schon oft erfolgreich getan haben – erst forschen und dann anwenden.

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Dieselben Menschen, die davor warnen, dass künstliche Intelligenz die Menschheit auslöschen könnte, entwickeln sie mit Hochdruck weiter.
Ich frage mich, wie intelligent das ist. Man könnte den Schluss daraus ziehen,
dass Profit am Ende doch mehr wiegt als Leben.

Aber vielleicht wird die Menschheit ja noch schlau,
bevor es eine künstliche Superintelligenz tut.

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